Freitag, 6. Mai 2016

George - ein Flüchtling im Glück Teil1

Es gibt Geschichten, die sind zauberhaft. Unmögliches wird darin wahr, das Glück scheint Überstunden zu machen.
Solch eine schöne Geschichte habe ich erlebt. Mit überraschenden Lernmomenten.Schon Ende des letzten Jahres. Wäre ich nicht so eine faule Bloggerin ( dazu demnächst mehr ) hätte es eine schöne Vorweihnachtsgeschichte werden können.
Nun ists halt eine inspirierende Maigeschichte.

Die Story:

Eines normalen Novembermorgens kam der beste aller Ehemänner nach dem Gassigang mit unseren haarigen Mädels zu mir und sagte: "Da liegt ein Zettel vor unserer Tür. Unter unserem Auto säße ein Kaninchen. Ich glaube das stimmt."
Tatsächlich: unter unserem Auto saß wirklich etwas Kaninchenartiges. Lässig sagte ich: "Komm lass uns ersteinmal frühstücken und dann fangen wir es. Sicher vermisst es schon Jemand".
Gesagt getan, leider machte das Kaninchen nicht mit. Bei jedem Versuch es unter dem Auto hervorzulocken, wegzutreiben, hoppelte ER ( sonnenklar, das musste ein Typ sein) in den Motorraum.
Dort war er unantastbar und dachte nicht im Traum daran, sich einfangen zu lassen.














Lernmoment 1 
Kanincheneinfangen hat seine problematischen Momente


Notgedrungen musste ich 3 Termine des Vormittags absagen, weil ich so mit einem Kaninchenmotorbewohner nicht losfahren wollte.

Lernmoment2 
Das Verständnis meiner Klienten bei Kaninchen im Motorraum ist immens

Mein Tagesplan war nun durch den Hoppler vor allem eins:planlos 

Lernmoment 3
Tagespläne können schnell andere Richtungen einschlagen.

Also ans Telefon gesetzt und ein Fahndungsportrait des Rammlers an den örtlichen Kindergarten weitergeleitet.
Mit Polizei und freiwilliger Feuerwehr diskutiert, ob es bei laufendem Motor Pulled-Kaninchen-Braten gibt oder welche kreativen Überlistungsversuche sinnvoll wären, das Oryctolagus cuniculus forma domestica seinem Besitzer zurückzuführen.
Ich kam zu dem Entschluss, ein Helfer musste akquiriert werden. Darum bimmelte ich meinen Schützling aus dem Südsudan an und bat um Hilfe. Klar er müsse nur noch Zähne putzen, dann käme er. Ok, 3 Minuten Fussweg von uns entfernt plus Zähneputzen..., 10 Minuten später stand ich mit Besen bewaffnet an der Strasse und wartete geduldig auf meinen jungen Helfer.
15 Minuten später musste ich erkennen:

Lernmoment 4
Zahnpflege im Südsudan scheint aufwendig zu sein.

Derweil kam mir ein anderer junger Mann, den ich bislang nur vom Sehen kannte, entgegen. Da ich der Meinung war, die Zähne des peniblen Afrikaners dürften nun gereinigt sein und er in wenigen Momenten erscheinen würde , bat ich ihn um Hilfe. 3 Kaninchenfänger sind besser als 2.
Gemeinsam harrten wir ein Weilchen am Auto aus, bis ich diesen Ureinwohner unseres Dorfes einlud, ihm die Wartezeit mit einem leckeren Cappuccino zu verschönen. Innerhalb der nächsten 20 Minuten hatte ich einen tiefen Einblick auf seine vergangenen 30 Lebensjahre.

Lernmoment  5
Es ist immer wieder schön, unverhofft in die Leben anderer Menschen einzutauchen.

Unglaublich, aber wahr, mein Südsudanesischer Schützling tauchte nur 50 Minuten nach dem ersten Anruf mit sicher mikroskopisch -tief gereinigten Zähnen am Tatort ein.
Warten lohnt sich, denn nach kurzer mentaler Kontaktaufnahme mit dem Objekt der Begierde, wurde es flugs von afrikanischer Hand eingefangen. Gekonnt ist gekonnt. 
So saß der Kaninchenflüchtling im Katzentransportkorb und wir hatten erstmal Ruhe.
Der junge Dorfbewohner beendete seine Spachlosigkeit ob des flotten Fanges mit der Aussage, er kenne ja so ziemlich alle hier im Dorf und er frage mal nach, wem ein Kaninchen fehle. 
Nach ca 1 Stunde kam er mit negativem Bescheid zurück. Nur eine Familie hätte er nicht erreicht, da könne ich vielleicht noch fragen.
Vom Kindergarten kam leider auch keine Erfolgsmeldung. Ein Plan B musste her. Kurz kamen mir panikartige Bilder von mir als neuer Kanickelbesitzerin in den Sinn. NEIN, bitte nicht. Und eins allein geht schon mal gar nicht. Bitte lass es Jemand vermissen sendete ich hoffnungsvoll in den Himmel. 
Plan B war gefasst: Tierheim. Da wird es dann sicher abgeholt,vielleicht ist der Besitzer ja gerade verreist...???
Letzte Hoffnung am Nachmittag, die ungefragte Familie. Nein, auch sie vermissten kein Kaninchen, aber ihr Nachbar, der hätte ganz viele. GAAAANZZ VIIIEEELE????? Zum essen etwa??
Ja war die Antwort.
Mein Adrenalinspiegel vertausendfachte sich. 

Lernmoment 6
Die Kampfmutti in mir kann noch immer den Turbo einlegen

Essen? Dieses arme Tierchen? Für das ich mir den Mund fusselig geredet habe? Das mir einen chaotischen Vormittag beschert hat? Das vielleicht wieder in einen miesen engen Käfig gezwängt, und zum Schluss mit dem Kopf an die Wand geknallt wird? Nur um die Fleischeslust zu befriedigen? Nicht mit mir, niemals rücke ich dieses Wesen freiwillig raus.
Also Plan B: Tierheim. Ein Anruf genügte und schon fühlte ich mich in meiner Empörung verstanden.
Bringen sie ihn schnell vorbei,war die Antwort. Klar, ich fliege.
Vorher noch meinen Südsudanesen ins Auto gezerrt, damit er mal ein Tierheim in Deutschland kennenlernen kann.

Lernmoment 7
 Es ist so wohltuend verstanden zu werden 

So landete der ansehnliche Rammler im Tierheim. In einem schönen großen Käfig mit frischen Stroh und lecker Heu. Von Menschen versorgt, die merklich Tierfreunde sind. Denen ein Schlachthasenleben etwas wert ist. 
Glücklich plappernd fuhren mein Jüngling und ich zurück in unser beschauliches Dorf, wohlwissend ein Kaninchenleben gerettet zu haben. Wir fühlten uns, als hätten wir etwas ganz, ganz Großes getan.

Das war der erste Teil der Geschichte, die ja schon schön genug ist und jedem, dem ich erzählt habe ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.

Lernmoment 8 
Kleine Geschichten machen oft sehr glücklich



Teil 2, versprochen folgt in den nächsten 3 Tagen. Denn- es geht noch viel besser weiter





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